Internationales Forschungszentrum Chamisso-Literatur
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Internationales Forschungszentrum Chamisso

Literarische Interkulturalität und Mehrsprachigkeit

                                                                                                                                                                    Das am Institut für Deutsch als Fremdsprache mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung etablierte Internationale Forschungszentrum Chamisso (IFC) wurde 2014 offiziell eröffnet. In diesem Zentrum erforschen Lehrende und Studierende gemeinsam Fragen der Gegenwart als Ausdruck einer Epoche vielgestaltiger Globalität.
Methodisch verfeinert und vertieft das IFC das fragende Denken an den Schnittstellen von Geistes- und Sozialwissenschaften, aber auch von Ökonomik, Technikwissenschaft und Bildungsforschung. Sein Interesse gilt einer neuen Grundlegung der Literaturwissenschaft anhand literarischer Werke, die einen Kultur- und Sprachwechsel thematisieren und sich mit der Logik von Machtkämpfen sowie den Chancen und Risiken einer noch weitgehend unbegriffenen Globalität beschäftigen.
Damit Theorie und Praxis wechselseitig füreinander fruchtbar werden, fördert das IFC den gesellschaftlichen Austausch in neuen Formaten. Etabliert wurde im Sommer 2015 die Gesprächsreihe „Schlüsselthemen der Gegenwartsliteratur“, in der Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Literaturkritiker jeweils ein besonderes Thema erörtern. Jährlich lädt das IFC Autorinnen und Autoren an die LMU München zu Poetikdozenturen ein. Durch die das Gesamtkonzept abrundenden schulischen Schreibwerkstätten ist eine Initiative in Gang gekommen, die auch zur Entwicklung einer neuen Literaturdidaktik führt.
Zur Förderung und Vertiefung der interkulturellen Literaturforschung etablierte das IFC ein internationales Netzwerk von Autorinnen und Autoren, Forscherinnen und Forschern sowie Vertreterinnen und Vertretern internationaler Organisationen.

Aktuell

Deutschlandweite Ausschreibung: IFC-Ideenwettbewerb "Gemeinsam in Deutschland leben"

Das Internationale Forschungszentrum Chamisso (IFC) schreibt aktuell den Ideenwettbewerb „Gemeinsam in Deutschland leben“ aus. Der Wettbewerb richtet sich an alle internationalen Gruppen aus Schülerinnen, Schülern der Jahrgangsstufen 9-12, die eine Idee zu besagtem Thema haben, die sie mit ihrer/m Deutsch-, Kunst- oder Musiklehrer/-in umsetzen wollen.
"Toleranz“, „Teilhabe“ und „Verständnis“ sind Begriffe, die in einer Zeit auch im Alltag vermehrter Begegnungen mit Menschen unterschiedlicher Kulturen verwendet werden – besonders in Deutschland im Zusammenhang der Debatte um bessere Integration. Diesbezüglich werden politische Entschlüsse gefasst, Projekte umgesetzt und die Medien berichten darüber. Dennoch haben gerade junge Menschen oft das Gefühl, Politik würde ohne sie stattfinden. Gleichzeitig verfügen Schülerinnen und Schüler über viele Erfahrungen und Wissen über die Bedingungen des gemeinschaftlichen Zusammenlebens, zumal angesichts kultureller Diversität. Denn sie begegnen häufig jeden Tag anderen jungen Menschen aus anderen Kulturen, mit anderen Muttersprachen und vielfach mit Migrations- und Fluchthintergrund. Dabei artikulieren sie Interesse an der Gestaltung ihrer eigenen Zukunft.
Das Internationale Forschungszentrum Chamisso (IFC) möchte mit der Unterstützung ehemaliger Chamisso-Preisträgerinnen und -Preisträger junge Talente in genannten Jahrgangsstufen begleiten und fördern.
Wie kann ein friedliches, plurikulturelles und pluriethnisches Zusammenleben in Deutschland im ästhetischen Medium dargestellt werden? Möglich sind Theaterstücke, Sketches, Standup-Comedies, Videoclips, Poetryslams, lyrische Texte, Prosatexte und anderes. Besonders begrüßt werden Konzepte, die Formen der Interkulturalität und Mehrsprachigkeit als soziale und kulturelle Bereicherungen kreativ in Szene setzen.
Alle weiteren Details (Zeitplan, Termine, Kontaktadressen) entnehmen Sie bitte dem Flyer.

 

Rückblick: IFC-Poetikdozentur mit Senthuran Varatharajah

Das Internationale Forschungszentrum Chamisso (IFC) blickt auf eine vielbesuchte, gleichermaßen gelungene wie inspirierende Veranstaltungsreihe in den letzten zwei Wochen zurück. Vom 15. bis 25.1.2018 fand die IFC-Poetikdozentur 2018 mit dem in Berlin lebenden Autor und Chamisso-Förderpreisträger Senthuran Varatharajah statt. Der junge Autor sprach in drei öffentlichen Poetikvorlesungen über die Themen „Biographie und Poetologie“, „Schreiben und Bewegung“ und „Musik im Text, Text in der Musik“. Er begeisterte die Zuhörer mit seiner Tiefgründigkeit, seinem literarischen wie philosophischen Wissen, seiner Rhetorik und seinem Charisma. Die SZ (19.1.18 Kultur) lobt die Beweglichkeit Varatharajahs; „Hier wechselte ein so brillanter wie charismatischer Intellektueller geschmeidig zwischen Theorien und Registern hin und her.“ Dass dies eine große Stärke von ihm ist, bewies er bei zahlreichen weiteren nichtöffentlichen Veranstaltungen wie Fachdiskussionen in universitären Seminaren, einem Besuch in dem Weiterbildungsmaster-Programm für Berufsschullehrer sowie in Schreibwerkstätten in Münchner Gymnasien. Dort stellte der Autor seinen Roman „Vor der Zunahme der Zeichen“ vor und erklärte, dass es keine Schöpfungsgeschichte, sondern eher eine Erschöpfungsgeschichte sei: Am Ende steht das Nichts, Facebook ist ein Ort, der kein Ort ist. Auf die Frage der Schüler/-innen, ob Varatharajah seine eigenen Erfahrungen in den Handlungsverlauf integriert hätte, antwortete er, dass es keine Ästhetik ohne Ethik gäbe. Natürlich schwinge die eigene Stimme sowie die eigene Komplexität bei der Zeichnung der Figuren mit, was eine Herausforderung des Schreibens sei. Der Autor vermittelte den Gymnasiasten, dass Literatur der Ort sein könne, in dem die volle Subjektivität ihrer Gedanken und ihres Empfindens deutlich werden könnte. Mit diesen und weiteren neuen Anregungen und mit einer durchaus anspruchsvollen formalen Vorgabe durften sich die jungen Literaturbegeisterten dann selbst ans Werk machen und fertigten ein Gedicht, bestehend aus 30 einsilbigen Wörtern zu den Themen Spracherwerb und Liebe an. Letzteres war nicht zufällig gewählt, wie Varatharajah im Nachhinein eingestand. Sein neues Buch, das 2019 fertiggestellt werden soll, ist ein Liebesroman. In einer Abschlussbesprechung wurden die Ergebnisse rege diskutiert. Ebenso wurden Herausforderungen im Schreibprozess aufgegriffen und besprochen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Senthuran Varatharajah soll in einem zweiten Teil der Poetikdozentur im Sommer 2018 fortgesetzt werden. Hier freuen sich die Studenten der LMU auf die gemeinsame Erarbeitung einer neuen interkulturellen Literaturdidaktik mit dem Autor.

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© Isabel Hoffmann